Rund 40 Gäste kamen zum Grünen Abend mit dem Thema „Asiatische Hornissen: Honigbienen in Gefahr?!“ Als Referent sorgte Holger Schwarz, Imker und Fachmann für Asiatische Hornissen des Velutina Netzwerk Saar e.V. für einen eindrücklichen Abend.
In seiner Präsentation erfuhren die Anwesenden von Holger Schwarz vieles über die Asiatische Hornisse und ihren Lebenszyklus. Neben der angesprochenen Gefährdung der Honigbiene wurde schnell klar, dass die Gewährleistung der wirtschaftlichen Leistungen im Obst- und Gartenbau sowie dem Weinbau durch das rasante Vorrücken der asiatischen Hornisse betroffen werden. Die Grünen Kirkel nehmen dies zum Anlass, auch die Bürgerinnen und Bürger, die nicht am Grünen Abend anwesend waren, über die Gefährdung durch Asiatische Hornissen zu informieren:
Die Asiatische Gelbbeinhornisse (Vespa velutina nigrithorax) stellt eine invasive, gebietsfremde Art dar und ist 2004 über den Seeweg aus China, vermutlich mit einer Lieferung von Töpferwaren, erstmals in Frankreich in der Nähe von Bordeaux nachgewiesen worden. Invasive, gebietsfremde Arten stellen eine Gefahr für das Ökosystem, die Artenvielfalt und für das Wohlergehen der Menschen dar.
Die Asiatische Gelbbeinhornisse, aufgrund ihres lateinischen Namens ab hier auch „Vvn“ abgekürzt, wird oft zunächst als Schädling der Bienenhaltung und als Gefahr für die Imkerei beschrieben. Dies ist jedoch nur bedingt zutreffend, da das Schadpotential sich vielschichtiger darstellt.
Aufgrund der rasant schnellen Ausbreitung entlang der Wasserwege erfolgte der erste Nachweis in Deutschland bereits im Jahr 2014, im Saarland wurde 2020 das erste Nest gefunden. Mit zunehmender Ausbreitung sind auch Schäden in der Landwirtschaft, sowie im Weinbau festzustellen. Ein weiteres Problemfeld sind vermehrte Stichereignisse durch die Nähe der Nester zu Wohngebieten. Mit der Volksgröße steigt auch die Abwehrbereitschaft der Tiere, vor allem in Nestnähe. Die Stiche sind sehr schmerzhaft und zeigen teils schwere Symptome bei den Betroffenen, vor allem bei Allergikern.
Ausbreitung im Saarland
Nachdem 2020 das erste Nest im Saarland nachgewiesen wurde, waren es im Jahr 2022 schon rund 50 Nester. 2023 waren es dann schon ca. 270 Nester und 2024 bereits 925 Nester. Im letzten Jahr wurden 2043 Nester gemeldet und für 2026 liegt die Schätzung des Velutina Netzwerk Saar gar bei 4000 Nestern.
WICHTIG: Den Nestern sollte man sich auf keinen Fall näher als 10 Meter nähern, da ansonsten eine hohe Gefahr eines Angriffs besteht! Entdecken Sie ein Nest in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung, beseitigen Sie es niemals selbst!
Melden Sie das Nest unbedingt im Velutina Meldeportal Saarland (https://www.velutina-saar.de/)! Die Fachleute des Velutina Netzwerks kümmern sich für Sie kostenlos darum.
Der Biologischer Zyklus der Vvn
Nach der Überwinterung der Königinnen (Dez. bis Febr.) beginnt die Gründungsphase (Ende Febr. bis Anfang Mai) des neuen Nestes. Anfangs sind die Nester der asiatischen Hornisse nur etwa Golf- bis Tennisball groß und werden nur von der Königin versorgt. Die Nester werden sehr häufig in geringer Höhe gebaut, sehr oft unter 2 Meter. Bevorzugt werden hier z.B.: Hecken, Sträucher, Nistkästen, unterhalb von Dachrinnen sowie Gartenhäuser und Schuppen.
In den sogenannten Primärnestern leben meist etwas über 200 asiatische Hornissen.
ACHTUNG: Da Königinnen anfangs noch um Nester kämpfen und sich gegenseitig töten, sollten diese Nester (nach Möglichkeit) nicht vor Mitte April entfernt werden, eine Meldung sollte jedoch umgehend erfolgen. Sofern eine Gefährdung vorliegt, werden die Nester dennoch sofort entfernt.

Abbildung von Holger Schwarz zur Verfügung gestellt
Die Asiatische Hornisse baut zwei Arten von Nestern. Das erste Nest, das sogenannte Primärnest, wird in der Zeit von April bis ca. Mitte Juni gebaut und erreicht in etwa die Größe eines Fußballs. Ab Mitte Juni baut die Asiatische Hornisse in der Wachstumsphase des Volkes Sekundär- bzw. „Filial“-Nester. Diese Nester haben häufig eine kokonartige Form und sind deutlich größer als die Primärnester (bis ca. 80cm breit und 1,20 Meter lang). Meist befinden sich diese Nester an höher gelegenen Orten, z.B.: in Bäumen, an Dächern bzw. hohen Decken sowie an der Außenseite von Gebäuden. In diesen Nestern lebt eine große Anzahl von Asiatischen Hornissen, im Durchschnitt ca. 3500-5000 Individuen.
Ab Mitte August werden die ersten Geschlechtstiere produziert, zunächst die Drohnen, dann die Jungköniginnen (im Verhältnis von ca. 3 : 1). In Abhängigkeit von der Nestgröße können es bis zu über 500 Jungköniginnen pro Nest sein. Etwa ab September beginnen dann die Paarungsflüge (Luftpaarung). Kurz nach der Paarung sterben die Drohnen. Im Spätherbst/Winter brechen die Völker zusammen, nur die Jungköniginnen überleben. Langanhaltende, tiefe Frostperioden erhöhen die Vvn‐Sterblichkeit. (Eine Königin überlebt bis mind. ‐11°C.)
Was macht die Asiatische Hornisse so bedrohlich für unsere Biosphäre?
Hier ist insbesondere ihr Jagdverhalten zur Fütterung ihrer Larven hervorzuheben. Die Asiatische Hornisse braucht pro Jahr über 10 kg Insekten je Nest für ihre Larven und jagt dafür viele Bienen, Wespen und Schmetterlinge, die oft unter (besonderem) Artenschutz oder sogar auf der sog. „Roten Liste“ stehen.
Dazu kommt, dass diese Hornisse bei voller Ausbreitung eine Populationsdichte erreichen kann, die bis zu 70-fach dichter als die der europäischen Hornisse ist. Zudem hat die asiatische Hornisse hierzulande keinerlei natürliche Feinde – was ihre Ausbreitung begünstigt.
Ist die Asiatische Hornisse für den Mensch gefährlich?
Ein einzelne Asiatische Hornisse ist für den Mensch nur gefährlich, wenn sie extrem bedrängt wird und sie sich verteidigen muss, so wie dann auch eine Wespe oder eine Biene sich verteidigen würde. Kommt es zu einem einzelnen Stich, dann ist dies zwar schmerzhaft, aber ansonsten meist nur für Personen mit einer Wespenallergie oder für kleinere Kinder gefährlich. Bei Schwindel, Unwohlsein oder Erbrechen ist sofort der medizinische Notdienst zu kontaktieren.
Die größte Gefahr geht von einem Nest aus, sollte ein Mensch diesem zu nahe kommen oder es erschüttern. In diesem Fall erfolgt ein Angriff von teilweise mehr als 200 Hornissen. Es sollte deshalb immer mindestens 10 Meter Abstand zu einem Nest eingehalten werden.
Mittlerweise belegen Studien, dass vom Gift der Asiatischen Hornisse eine hohe Gesundheitsgefahr ausgeht, wenn es zu 10 oder mehr Stichen kommt. In diesem Fall ist unbedingt sofort ein Arzt aufzusuchen!
Aufruf an die Bevölkerung
Die Invasion der Asiatischen Hornisse (Vvn) in Westeuropa von 2004 bis heute ist mehr als erfolgreich. Es geht für uns nur noch um Schadensminimierung. Aufgrund der negativen Auswirkungen der Vvn auf die Imkerei, die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen sowie auf die menschliche Gesundheit muss (auch in der Zukunft) eine Verhinderung oder Verminderung der Ausbreitung der Vespa velutina ein gemeinsames Ziel sein.
Bei der Nestsuche/‐findung spielt die Mithilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Melden Sie Nester unbedingt im Velutina Meldeportal Saarland (https://www.velutina-saar.de/)!
Helfen Sie mit im Kampf gegen die Asiatische Hornisse!
Die heimische Insektenwelt wird es Ihnen danken!
Dieser Artikel basiert auf dem Vortrag und der Präsentation von Holger Schwarz und Informationen von der Website des Velutina Netzwerks.
Etwaige Ungenauigkeiten oder Fehler gehen allein zu Lasten des Autors des Artikels, dem Kommunikationsbeauftragten der Kirkeler Grünen, Uwe Geith.
Die Grünen Kirkel werden im Laufe des Jahres in regelmäßigen Abständen aktuelle Informationen zur Asiatischen Hornisse in den Kirkeler Nachrichten und auf ihrer Website kirkel-gruene.de veröffentlichen.